Zwischen Heimelig und Hightech

Sparkassen sind keine gewöhnlichen Kreditinstitute, sondern Einrichtungen des öffentlichen Rechts, die schon seit mehr als 200 Jahren alle Bevölkerungsschichten mit Bankdienstleistungen versorgen. Doch das Bild der „guten alten Sparkasse“ hat Risse bekommen, und die Erfüllung ihres Auftrags ist schwerer geworden. Die Nullzinspolitik höhlt das klassische Geschäftsmodell aus, höhere Anforderungen der Regulierungsbehörden seit der Finanzkrise lassen Aufwand und Kosten steigen, die Digitalisierung verändert die gesamte Branche.

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Die Beschäftigten müssen die Folgen tragen.

Filialschließungen, Fusionen und Personalabbau sind bislang die Folgen – die direkt an die Beschäftigten weitergegeben werden. Mehr Arbeit, schlechtere Bezahlung, Kürzungen von Leistungen… die Bilanzen sagen jedoch oft etwas anderes aus. Hier klafft eine Gerechtigkeitslücke, die unbedingt geschlossen werden muss. Statt immer neue Kürzungen sind Qualifizierung und Fortbildung der Beschäftigten vonnöten, denn die Digitalisierung bringt neue Anforderungen mit sich. Dazu gehört auch, neue Dienstleistungen und Services anzubieten, digital genauso wie vor Ort in der Filiale.

Sparkassen in Corona-Zeiten: Die Nummer 2 nach Supermärkten

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Gehamstert wurde nicht nur Toilettenpapier. Bargeld zu haben, hat den Menschen eine gewisse Sicherheit verschafft. Resultat waren lange Schlangen und Security bei den Banken.

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Die Sparkassen haben dafür Sorge getragen, dass ihre Kunden durchgängig Kontakt halten konnten, für viele war das in der Krise unglaublich wichtig.

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Es galt Existenzen durch die Krise zu bringen. Die Beschäftigten waren unverzichtbare Ansprechpartner für Privatkunden und mittelständische Unternehmen bei Kredit- und Unterstützungsbedarfen und haben in der Krise viele Existenzen gesichert mit ihrem Einsatz.

Innovation mit Entlohnung verbinden.

Geld abheben, Kontoauszüge holen, Überweisungen einwerfen oder sogar selbst erfassen – all das erledigen die meisten Kunden heute in Selbstbedienung. Falls sie dafür überhaupt noch in die Filiale kommen. Die Ausführung einfacher Vorgänge nimmt ab, die Vielfalt der Kommunikation mit den Kunden und die Komplexität der Vertriebskanäle steigt. Die Digitalisierung macht nicht halt, trotzdem sucht man innovative Produkte und Dienstleistungen bei den Sparkassen häufig vergeblich. Für die Zukunft braucht es exzellent ausgebildete und mit der nötigen IT ausgestattete Kolleg*innen, die genug Zeit bekommen, um ihre Kunden umfassend zu beraten.

Nullzins hin, Digitalisierung her: Die meisten Sparkassen stehen finanziell insgesamt gut da und weisen trotz schwieriger Bedingungen Gewinne aus. An diesem Erfolg müssen die Beschäftigten, die ihn erarbeitet haben, beteiligt werden – und zwar nicht nur im sogenannten verteilungsneutralen Spielraum, der sich aus dem Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktivität und der Inflationsrate ergibt. Dafür setzen wir uns in dieser Tarifrunde ein! Jeder kann uns bei diesen Forderungen mit einem starken Statement unterstützen und so den öffentlichen Arbeitgebern klar machen, wie wichtig wir sind, um den Laden am Laufen zu halten. Hier geht es zum Statement-Generator.

Statement Sparkasse
© ver.di

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen durch Qualifizierungs- und Fortbildungsmaßnahmen in die Lage versetzt werden, mit den veränderten Anforderungen umzugehen. Dazu gehören attraktive Arbeitsbedingungen und ein gutes Betriebsklima genauso wie faire Löhne und Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Filialen der Zukunft werden nicht mehr die Aura von Schalterhallen verströmen, sondern eher die von Lounges oder Co-Working-Spaces. Hier können sowohl Beratungsgespräche für Privatkunden zu neuen Finanzprodukten oder digitalen Services stattfinden, wie auch Networking oder Präsentationen lokaler Unternehmen, die über den Austausch womöglich zu neuen digitalen Dienstleistungen oder Präsentationsformen finden.

Hintergrundbild Themenseite
© ver.di

Was ver.di tun kann

Was ver.di tun kann

troed2020, Sparkassen
© ver.di

Die Finanzkrise und die neuen Aufgaben, die die Digitalisierung mit sich bringt, haben gezeigt, dass die Arbeitgeber alleine kaum in der Lage sind, die Institute auf die vielen Aufgaben zukunftsorientiert auszurichten. Dazu braucht es eine starke Arbeitnehmervertretung und qualifizierte Arbeitnehmer, die gemeinsam mit den Arbeitgebern an der Sparkasse der Zukunft arbeiten.

Im Paragraf 5 des TVöD haben ver.di und die VKA, also die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, eine Übereinkunft zum Thema Qualifizierung getroffen. Auf dieser Grundlage können die Personalräte aufsetzen und Dienstvereinbarungen mit ihren direkten Arbeitgebern schließen.

Personalräten bieten wir Schulungen an, um den Tarifvertrag richtig anzuwenden. Zum Thema Eingruppierung (und Höhergruppierungsmöglichkeiten) kann sich jedes ver.di-Mitglied von unserem Fachbereich Finanzdienstleistungen beraten lassen.

Aber das ist nur ein Anfang. Gemeinsam können wir die oben genannten und dringend benötigten Veränderungen bei den Arbeitgebern einfordern. Je mehr wir sind, desto schneller wird sich etwas ändern.

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Welche Forderungen wurden schon erreicht?

Welche Forderungen wurden schon erreicht?

troed2020, Sparkassen
© ver.di

Es war ein langer Weg vom Bundesangestellten-Tarifvertrag (BAT) zum TVöD, aber wir haben ihn zusammen zurückgelegt. Schon 2005 gab es erste Schritte in diese Richtung; die Tabellen- und Manteltarifreform sowie die Sparkassen-Sonder-Zahlung (SSZ) waren wichtige Meilensteine.

Was lange fehlte, war die Beschreibung der neuen Tätigkeitsmerkmale für den TVöD. Es galten nach wie vor die Tätigkeitsmerkmale des BAT mit ihren Fallgruppen. Doch zum 31. Dezember 2017 wurde die Überleitung zur neuen Entgeltordnung (EGO) der Sparkassen vollzogen. Dieser Überleitung kommt eine hohe Bedeutung zu, weil sie nun die Grundlage einer tarifgerechten Eingruppierung von 210 000 Beschäftigten der Sparkassen bildet.

Gemeinsam haben wir 4,75 Prozent mehr Gehalt für die Jahre 2016 und 2017 erreicht, die betriebliche Altersvorsorge gesichert und eine höhere Vergütung der Auszubildenden erwirkt: Rückwirkend zum 1. März 2016 erhielten sie 35 Euro und zum 1. Februar 2017 weitere 30 Euro mehr. Ihr Jahresurlaub wurde um einen Tag auf 29 Tage erhöht.

Im Nachgang der Tarifrunde 2018 hat ver.di im Rahmen einer Verhandlungszusage den arbeitgeberseitigen Angriff auf die Sparkassen-Sonderzahlung (SSZ) verhindern können. Dies gelang uns aus einer Position der Stärke und mit Unterstützung unserer ver.di-Mitglieder in den Sparkassen.

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Welche Ziele hat die aktuelle Tarifrunde?

Welche Ziele hat die aktuelle Tarifrunde?

troed2020, Sparkassen,
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Die Tarifrunde 2020 hat für alle 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und kommunalen Arbeitgeber ein gemeinsames Ziel: Mehr Geld und Entlastung. Wir blicken auf ein hartes Jahr zurück, indem viele an ihre Grenzen gegangen sind – und darüber hinaus. Das soll jetzt entlohnt werden.

Die Forderungen:

Erhöhung der Entgelte um 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro mehr bei einer Laufzeit von 12 Monaten
Die Vergütung der Auszubildenden soll um 100 Euro erhöht werden

Erwartungen an die Arbeitgeber richten sich zusätzlich auf:

Die bestehenden Altersteilzeitregelungen sollen verlängert und verbessert werden
Die Arbeitszeit im Osten soll an die im Westen angeglichen werden
Zusätzliche freie Tage, um die Beschäftigten zu entlasten
Verlängerung der Vorschrift zur Übernahme der Auszubildenden
Übernahme der Fahrtkosten in Höhe des monatlichen ÖPNV-Tickets

Die Sparkassen der Zukunft

Wie sieht die Zukunft der Sparkassen aus? Können sie es schaffen flexibler und vor allem innovativer zu werden? Wir sagen: Ja, aber nur mit den Beschäftigten! Jetzt muss nur noch von den öffentlichen Arbeitgebern alles für ihre Angestellten getan werden. Denn nur absahnen und die, die wirklich arbeiten leer ausgehen lassen, ist für uns keine Option. Unverhältnismäßige Bonuszahlungen für die Vorstände, unseriöse Geschäfte und riskante Investitionen gehören abgeschafft, stattdessen braucht es mehr leitende Positionen mit Rückgrat.

Um das zu erreichen, brauchen wir weitere Mitstreiter*innen, die mit uns gemeinsam die Missstände aufzeigen, Erfahrungen teilen und den Arbeitgebern endlich die Augen öffnen. Jetzt Mitglied werden!