Beschäftigte in Arbeitsagenturen und Jobcentern leisten anspruchsvolle Arbeit

Arbeitslosengeld oder Grundsicherung zu leisten und Arbeitssuchende in Arbeit bringen – das sind die Kernaufgaben von Jobvermittler*innen. Im aufreibenden Behördenalltag geht es darum häufig nur am Rande. Die enge Zeittaktung und die ausufernde Bürokratie machen es unmöglich, sich intensiv mit den Menschen zu beschäftigen und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Wie in vielen Bereichen personenbezogener, sozialer Dienstleistungen ist auch in den Arbeitsagenturen und kommunalen Jobcentern die Situation bestimmt von Unterfinanzierung, Unterbesetzung und einer hohen Belastung.

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Hohe Belastung, keine Entlastung.

Diese fachlich hohen Anforderungen, vor allem durch die Rechtsanwendung des SGB II, gestalten die Gewinnung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter*innen unglaublich schwierig. Die Arbeit im Jobcenter verliert immer mehr an Attraktivität, da den hohen Anforderungen keine angemessenen Arbeitsbedingungen gegenüberstehen, die diesen Umstand ausgleichen.

Jobcenter in Corona-Zeiten: Mehr Anträge, weniger Nähe

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Nicht alle Leistungsberechtigten konnten mit der Umstellung auf ein elektronisches/telefonisches Angebot umgehen und die notwendige Beratung kam oft zu kurz. Hinzu kam die Bearbeitung der Anträge vieler Arbeitgeber auf Kurzarbeit. Damit wurde die rechtskonforme Auszahlung von Kurzarbeitergeld erst ermöglicht.

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Auch für die Beschäftigten war die Umstellung schwer, denn die gesamte Beratungsarbeit hat sich verändert – es fehlt die Nähe.

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Die Neuantragszahlen steigen und steigen, trotz Vereinfachung der Antragsstellung, lassen die weiterhin hohen Anforderungen wenig Zeit, auf die Menschen einzugehen.

Kompletter Realitätsverlust.

Offiziell soll sich eine Vermittlungskraft um rund 150 Hartz-IV-Empfänger kümmern – in der Realität sind es häufig 300 Hartz-IV-Empfänger und mehr, gerade jetzt in der Corona-Krise sind diese Zahlen noch einmal weiter angestiegen.

Die Folge: Eine chronische Überlastung, die wiederum irgendwann zu emotionaler Erschöpfung und Burn-out führt. Zudem ist man im Kontakt zu Hilfesuchenden permanent mit existenziellen Notlagen konfrontiert und dementsprechend auch mit Frustration, Wut, Aggression und teilweise Gewalt.

Trotzdem treibt unsere Kolleg*innen weiterhin der Wunsch an, den Menschen in schwierigen Situationen zu helfen. Ihr Auftrag ist es, Arbeitssuchenden neue berufliche Perspektiven aufzuzeigen und in der Zwischenzeit ihren Lebensunterhalt zu sichern. Darüber hinaus muss auch die Zeit für Beratungen zu Problemen jenseits der Jobsuche da sein. Für diese verantwortungsvolle Aufgabe braucht es ein faires und gleiches Gehalt sowie gute, zeitgemäße Arbeitsbedingungen. Arbeitsagenturen und Jobcenter sollten Orte sein, die keiner mit Bauchschmerzen aufsucht – weder die Angestellten noch die Hilfesuchenden. Dafür möchte sich ver.di gemeinsam mit allen Kolleg*innen in dieser Tarifrunde einsetzen. Jeder kann uns bei diesen Forderungen mit einem starken Statement unterstützen und so den öffentlichen Arbeitgebern klar machen, wie wichtig wir sind, um den Laden am Laufen zu halten. Hier geht es zum Statement-Generator.

Statement Jobscenter
© ver.di

Denn so darf es nicht weitergehen. Es braucht eine höhere Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen, Fachkräfte, die dem Job gewachsen sind und Anerkennung in der Gesellschaft. Außerdem müssen die Angestellten mehr Zeit bekommen, sich wirklich auf die Menschen einzulassen, um ihnen die Rückkehr ins Arbeitsleben zu ermöglichen. Aktuell treffen dagegen Arbeitsvermittler*innen mit unzureichenden Arbeitsbedingungen auf frustrierte Jobsuchende in persönlichen Krisenlagen – eine fatale Kombination. Das möchten wir ändern.

Hintergrundbild Themenseite
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Was ver.di tun kann

Was ver.di tun kann

troed2020, Sparkassen
© ver.di

Wir ver­tre­ten Kol­le­g*in­nen aus der Bun­de­s­agen­tur für Ar­beit und aus den Job­cen­tern gleichermaßen. Wir ge­stal­ten die Ar­beits- und Ein­kom­mens­be­din­gun­gen in der BA und den Job­cen­tern mit­tels Ta­rif­ver­trä­gen und Dienst­ver­ein­ba­run­gen mit. Un­se­re Bun­des­fach­grup­pe mischt sich ein, nimmt Stel­lung und steht in en­gem Kon­takt mit den Ver­tre­tern der Selbst­ver­wal­tung der BA und den Ver­tre­ter­ver­samm­lun­gen der Job­cen­ter. Hier geht es uns besonders um eine Stärkung der Basis, was die Mitgestaltung der Arbeitsabläufe angeht.

Seit Jahren kämpfen wir für die Angleichung der Entgelte zwischen kommunalen und BA-Beschäftigten. Hierzu setzen wir uns auf kommunaler Ebene für realisierbare Lösungen ein; auf Bundesebene wird früher oder später aber nur ein einheitlicher Tarifvertrag für die Jobcenter-Mitarbeiter*innen die Grundlage für eine gleiche Bezahlung bieten. Dafür ist es zwingend notwendig, dass sich die Beschäftigten gewerkschaftlich organisieren, denn Tarifverhandlungen werden nur von den Tarifvertragsparteien geführt. Dass diese Baustelle noch immer nicht geschlossen ist, ist ein Skandal – gegen den wir gemeinsam angehen sollten!

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Welche Forderungen wurden schon erreicht?

Welche Forderungen wurden schon erreicht?

troed2020, Sparkassen
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Von der allgemeinen Tariferhöhung in der letzten ÖD-Runde haben sowohl BA-Beschäftigte als auch kommunale Beschäftigte profitiert.

Für die kommunalen Beschäftigten bedeutet das:

Erhöhung der monatlichen Entgelte
Erhöhung des Entgelts für Auszubildende und ihre Übernahme
Jahressonderzahlung OST
ATZ

Und für Beschäftigte der BA:

Drei-stufige Erhöhung der monatlichen Entgelte (ab 1.3.18: +3,19%; ab 1.4.19: +3,09%; ab 1.3.20: +1,06%)
Kein Tabellenwert um weniger als 175€ angehoben
Einmalzahlung i.H.v. 250€ für Beschäftigte der TE V bis VIII
Erhöhung der Entgelte für die Auszubildenden (zwei Stufen; jeweils um 50€)
Erhöhung der Entgelte für die Studierenden (zwei Stufen, jeweils 25€)

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Welche Ziele hat die aktuelle Tarifrunde?

Welche Ziele hat die aktuelle Tarifrunde?

troed2020, Sparkassen,
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Die Tarifrunde 2020 hat für alle 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und kommunalen Arbeitgeber ein gemeinsames Ziel: Mehr Geld und Entlastung. Wir blicken auf ein hartes Jahr zurück, indem viele an ihre Grenzen gegangen sind – und darüber hinaus. Das soll jetzt entlohnt werden.

Die Forderungen:

Erhöhung der Entgelte um 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro mehr bei einer Laufzeit von 12 Monaten
Die Vergütung der Auszubildenden soll um 100 Euro erhöht werden

Erwartungen an die Arbeitgeber richten sich zusätzlich auf:

Die bestehenden Altersteilzeitregelungen sollen verlängert und verbessert werden
Die Arbeitszeit im Osten soll an die im Westen angeglichen werden
Zusätzliche freie Tage, um die Beschäftigten zu entlasten
Verlängerung der Vorschrift zur Übernahme der Auszubildenden
Übernahme der Fahrtkosten in Höhe des monatlichen ÖPNV-Tickets

Packen wir es an!

Wir wissen, welche Herausforderungen jeden Tag auf die Arbeitsvermittler*innen warten. Unter den Voraussetzungen ist es nicht immer einfach, weiterhin hochmotiviert zur Arbeit zu gehen und einen Job zu machen, für den nur die Wenigsten Anerkennung haben. Gerade deswegen stehen wir hinter allen Kolleg*innen und setzen uns für eine gerechte Entlohnung und Behandlung im Arbeitsalltag ein.

Um das zu erreichen, brauchen wir weitere Mitstreiter*innen, die mit uns gemeinsam die Missstände aufzeigen, Erfahrungen teilen und den Arbeitgebern endlich die Augen öffnen. Jetzt Mitglied werden!