Anerkennung für die Held*innen in Orange.

417,2 Millionen Tonnen Abfall wurden laut Statistischem Bundesamt 2018 in Deutschland produziert – der höchste Wert seit Beginn der Messreihe 2006. Dass wir auf unseren Hinterlassenschaften nicht sitzenbleiben, verdanken wir den Männern und Frauen bei der Müllabfuhr, die frühmorgens bei Wind und Wetter ausrücken. Weite Teile ihrer Arbeit vollziehen sich unbemerkt: Wenn die Held*innen in Orange um 4.30 Uhr ihre Schutzkleidung anlegen, hat bei den meisten Menschen der Wecker noch nicht geklingelt. Erst mit dem Einsetzen des Berufsverkehrs steigt die Wahrnehmung der großen Müllwagen – dann meist als Hindernis, das angehupt, beschimpft oder in waghalsigen Manövern umfahren wird.

Auch die Kolleg*innen von der Straßenreinigung setzen sich fast täglich Beschimpfungen über überfüllte Papierkörbe oder den Sperrmüll aus, obwohl sie regelmäßig den Müll, den die Menschen auf öffentlichen Plätzen und in Parks hinterlassen beseitigen, damit wir alle gut in der Stadt Leben können und zudem nach Plänen gereinigt wird, die mit der Kommune vereinbart sind.

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Ein Knochenjob ohne Wertschätzung.

Es ist nicht die einzige Nervenprobe, der die Leute bei der Mülle ausgesetzt sind. Fehlbefüllungen der verschiedenen Tonnen und wilder oder neben den Tonnen platzierter Müll erschweren ihre Tätigkeit, die ohnehin ein Knochenjob ist: Um die 20 Kilometer legen sie pro Tag zu Fuß zurück und leeren dabei Hunderte Mülltonnen aus, die zum Teil 400 Kilogramm schwer sind. Nicht akzeptabel ist es da, dass sich das alles kaum auf den Lohnzetteln der Kolleg*innen niederschlägt. Die Mehrzahl der Beschäftigten in der Abfallwirtschaft befindet sich in den unteren Entgeltgruppen.

Die Abfallwirtschaft in Corona-Zeiten: Mehrarbeit und erschwerte Bedingungen.

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Das Müllaufkommen ist während der Pandemie aufgrund von Homeoffice und Verpackungen für To-Go-Essen enorm angestiegen. Und: Die Menschen haben aufgeräumt und aussortiert. Diese Müllmengen müssen entsorgt oder recycelt werden.

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Um die Abstandsgebote in den Umkleideräumen oder in der Kantine einhalten zu können, mussten viele Kolleg*innen zeitliche Verschiebungen der Arbeitszeit in Kauf nehmen. Dazu kommen die Maskenpflicht, verschärfte Hygienevorschriften in den Fahrzeugen und der Umgang mit risikobehaftetem Müll.

Nicht trotz, sondern wegen Corona!

Kommunen leiden unter Corona, die Krise hat ihre Kassen gebeutelt. Aber seit Mai hellt sich die wirtschaftliche Lage wieder auf. Beigetragen haben dazu das Konjunkturpaket der Bundesregierung und die Stabilisierung der Einkommen durch die von ver.di geforderten Verbesserungen beim Kurzarbeitergeld. Genauso werden auch höhere Einkommen der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst die Nachfrage steigern und zur Konsolidierung der Lage beitragen.

In der Krise haben alle gespürt, dass wir uns auf die Daseinsvorsorge verlassen können. Die Müllwerker*innen und die Straßenreiniger*innen haben die Ärmel noch mal extra hochgekrempelt. Nun muss fair verhandelt werden. Dabei geht es nicht um Maximalforderungen, sondern schlicht um eine angemessene Leistungsanerkennung. Nicht trotz, sondern wegen Corona. Dafür setzt sich ver.di gemeinsam mit allen Kolleg*innen in dieser Tarifrunde ein. Auch du kannst uns mit deiner Meinung unterstützen und so den öffentlichen Arbeitgebern klar machen, wie wichtig wir sind. Wir halten den Laden am Laufen. Hier geht es zum Statement-Generator.

Statement Abfallwirtschaft
© ver.di

Die Menschen, die täglich unseren Müll entsorgen und unsere Straßen reinigen, tragen wesentlich zum Wohl unserer Gesellschaft bei – häufig auf Kosten der eigenen Gesundheit durch die immense Belastung. Faire Entlohnung, präventive gesundheitliche Maßnahmen durch den Arbeitgeber und Entlastung durch mehr Personal, sollten da selbstverständlich sein, sind sie aber leider noch immer nicht. Das wollen wir ändern, dafür wird ver.di Druck machen!

Hintergrundbild Themenseite
© ver.di

Was ver.di tun kann

Was ver.di tun kann

troed2020, Sparkassen
© ver.di

Nur eine Gewerkschaft kann überhaupt Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern führen! Nachdem die in ver.di organisierten Kolleg*innen in den Betrieben und Dienststellen diskutiert haben, was gefordert werden soll, steht ver.di nun seit dem 1. September in den Verhandlungen. Die weiteren Runden finden am 19./20. September sowie am 22./23. Oktober statt. Weil gute Ergebnisse leider nicht durch gute Argumente allein zu erreichen sind, müssen sich die Beschäftigten in der Abfallwirtschaft an Aktionen und Warnstreiks beteiligen, Im Streikfallzahlt ver.di ihren Mitgliedern aus der Streikkasse eine Unterstützung.

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Welche Forderungen wurden schon erreicht?

Welche Forderungen wurden schon erreicht?

troed2020, Sparkassen
© ver.di

In der Tarifrund 2018 wurde eine dreistufige Entgelterhöhung um insgesamt durchschnittlich 7,5 Prozent erzielt, von der die unteren Entgeltgruppen allerdings zum Teil nicht genug profitiert haben - da wollen wir mehr erreichen.

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Welche Ziele hat die aktuelle Tarifrunde?

Welche Ziele hat die aktuelle Tarifrunde?

troed2020, Sparkassen,
© ver.di

Die Tarifrunde 2020 hat für alle 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und kommunalen Arbeitgeber eine gemeinsame Forderung: Mehr Geld und Entlastung. Wir blicken auf ein hartes Jahr zurück, in dem viele an ihre Grenzen gegangen sind – und darüber hinaus. Das soll jetzt entlohnt werden.

Die Forderungen:

Erhöhung der Entgelte um 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro mehr bei einer Laufzeit von 12 Monaten
Die Vergütung der Auszubildenden soll um 100 Euro erhöht werden

Erwartungen an die Arbeitgeber richten sich zusätzlich auf:

Die bestehenden Altersteilzeitregelungen sollen verlängert und verbessert werden
Die Arbeitszeit im Osten soll an die im Westen angeglichen werden
Zusätzliche freie Tage, um die Beschäftigten zu entlasten
Verlängerung der Vorschrift zur Übernahme der Auszubildenden
Übernahme der Fahrtkosten in Höhe des monatlichen ÖPNV-Tickets

ver.di kämpft auch außerhalb von Tarifrunden für gute Arbeitsbedingungen in der Abfallwirtschaft.

Mehr Infos gibt es hier. >

Applaus allein reicht nicht!

Mieten, Lebensmittel usw. werden ständig teurer. Außerdem: In der Corona-Krise ist der Begriff „systemrelevant“ populär geworden. Zu Recht gab es Applaus auf Bürgersteigen und Balkonen für all jene Berufsgruppen, die das Land auch im Lockdown am Laufen hielten. Aber Applaus allein reicht nicht, ebenso wenig wie eine einmalige Sonderzahlung. Denn es geht nicht um Schmerzensgeld oder einen Durchhaltebonus. Wertschätzung muss dauerhaft auf der Lohnabrechnung und in Form von guten Arbeitsbedingungen sichtbar werden.

Um diese Forderungen in einer starken Tarifrunde durchzusetzen, brauchen wir eure Unterstützung, auch und gerade in Corona-Zeiten. Jetzt Mitglied werden!