Tarif- und Besoldungsrunde 2021 mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder

FAQ Sparkasse

FAQ Sparkasse

  • Was hat es mit den zwei freien Tagen als Ausgleich für die Senkung der SSZ auf sich?

    In der ver.di-Umfrage zur Arbeitszeit haben viele Beschäftigte die Umwandlung von Geld in Freizeit gefordert. In vielen Sparkassen gibt es bereits heute Vereinbarungen dazu, ohne dass alle Beschäftigten davon Gebrauch machen könnten. Dennoch wird die Möglichkeit von vielen Sparkassen-Kolleg*innen genutzt.
    Mehr Freizeit auf freiwilliger Basis ist also wichtig - natürlich auch wegen der steigenden Arbeitsverdichtung.
    Die Vorstände der Sparkassen wollten mehr Planungssicherheit haben und haben die ver.di-Forderung nach einem ausschließlich freiwilligen Tausch von Geld in Freizeit vom Tisch gewischt, stattdessen wollten sie zunächst eine radikale Kürzung der SSZ ganz ohne Gegenleistung. Jetzt gibt es im Jahr 2021 einen und in 2022 zwei zusätzliche feste Urlaubstage. Die Wertigkeit eines Urlaubstages beträgt 7%. Daneben können im Rahmen einvernehmlicher Dienstvereinbarungen insgesamt bis zu 4 zusätzliche Urlaubstage durch Umwandlungen von Geld in Freizeit genommen werden, so dass die Sparkassen-Beschäftigten bis zu 34 Urlaubstage im Jahr erhalten können.

     

  • Warum bekommen die Sparkassen die Gehaltserhöhung erst verzögert?

    In der dritten Verhandlungsrunde starteten die Arbeitgeber den bis dahin größten Angriff auf die SSZ – trotz aller sachlichen Argumente auf unserer Seite (gute wirtschaftliche Situation der Sparkassen). Die SSZ sollte demnach im garantierten Teil um 34 Prozentpunkte abgesenkt werden. Jetzt wird sie „nur“ noch um 14 % abgesenkt – im Tausch gegen dann zwei zusätzliche freie Tage. Diese Absenkung war den Arbeitgebern nicht genug und um darüber hinausgehende Kürzungen der SSZ dennoch zu verhindern, haben wir den Arbeitgebern als Kompromiss vorgeschlagen, die lineare Erhöhung zeitlich nach hinten zu verschieben.

  • Bleiben die zwei Tage zusätzlicher Urlaub über 2022 hinaus bestehen?

    Wir wollen den zusätzlichen Urlaub – allerdings auf freiwilliger Basis statt wie jetzt teilweise verpflichtend – möglichst erhalten. Weil die Arbeitgeber aber die Einsparungen bei der SSZ fest einkalkuliert haben, hängt es auch von der Durchsetzungsstärke der Sparkässler*innen in der nächsten Tarifrunde ab, ob dies gelingen kann.

  • Warum hat man den Tarifvertrag bei solch hohen Einschnitten für die Sparkassen unterschrieben und nicht weiter gestreikt?

    Die Sparkassenbeschäftigten haben sich in dieser Tarifauseinandersetzung in einem Abwehrkampf gegen Angriffe auf ihre Arbeits- und Entlohnungsbedingungen wieder gefunden, die Arbeitgeber von Bund und Kommunen waren auf Krawall gebürstet und wollten ihnen möglichst drastische Einschnitte abpressen. Gemessen daran hält die Bundestarifkommission ö.D. (BTK ö.D.) die Einigung insgesamt für akzeptabel, weil es keine Kürzung ohne Gegenleistung gibt.

    Das Tarifergebnis ist ein Ausdruck der Solidarität der Kolleginnen und Kollegen aller Bereiche des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen, die sich nicht gegeneinander haben ausspielen lassen. Die Alternative wäre gewesen, die Streiks fortzusetzen, was angesichts der aktuellen Pandemie-Entwicklung, aber auch mit Blick auf viele Beschäftigte, die sich nicht an den bisherigen Streiks beteiligt haben, kaum möglich gewesen wäre. Es kam auch nicht in Frage, die Tarifverhandlungen auszusetzen und auf Corona-Prämien, Entgelterhöhung, Azubi-Übernahme oder Angleichung der Arbeitszeit im Osten an den Westen zu verzichten. Die Mitglieder der BTK ö.D. haben sich für die Tarifeinigung entschieden, weil diese Alternativen wesentlich schlechter gewesen wären.

  • Beziehen sich die 81,77% bzw. 74,77% SSZ auf das jeweils aktuelle Tabellenentgelt, oder Stand heute?

    Sie beziehen sich auf das aktuelle Tabellenentgelt.

  • Wird der variable Teil der SSZ auch auf dem jetzigen Stand eingefroren?

    Alle Bestandteile der SSZ werden auf dem jetzigen Stand eingefroren

  • Ist das Thema SSZ in den zukünftigen Tarifverhandlungen endlich mal vom Tisch?

    Das kann man noch nicht sagen. Die Arbeitgeber haben auf die anhaltende Niedrigzinsphase sowie die zu erwartenden wirtschaftlichen Belastungen durch die Pandemie hingewiesen. Dadurch wären sie nicht in der Lage, eine Erhöhung der Gehälter von 1 Prozent zu verkraften. Zudem sind die Sparkassen nach Ansicht der Arbeitgeber gegenüber den Mitbewerbern durch die zu hohen Lohnabschlüsse in 2018 nicht mehr konkurrenzfähig. Um Sparkassen nicht in den Stützungsfonds durch zu hohe Tarifabschlüsse zu treiben, bräuchten sie wirtschaftlich verkraftbare Tariferhöhungen.

  • Warum wurden die zusätzlichen Urlaubstage nicht als Wahlrecht vereinbart?

    Das Wahlrecht haben wir gefordert, die Arbeitgeber haben es aber mit dem Verweis auf die fehlende Planbarkeit strikt abgelehnt.

  • Wie bekomme ich die zusätzlichen möglichen Tage?

    Der Personalrat muss hierfür eine freiwillige Dienstvereinbarung abschließen. In dieser Dienstvereinbarung müssen die Rahmenbedingungen festgelegt werden. Geregelt werden muss auch, dass die Lage dieser Tage durch die Arbeitnehmer frei wählbar ist.

  • Gibt es jetzt die Möglichkeit auf e-bike Leasing?

    Ja durch eine Entgeltumwandlung. Das Thema ist in ver.di stark umstritten. Grundsätzlich ist die Förderung im Sinne der Nachhaltigkeit. Es stellt sich allerdings die Frage, ob der Arbeitgeber hier tatsächlich so gönnerhaft sind? Der Arbeitnehmer spart zunächst Sozialabgaben und Steuern und erhält dafür später aber einen Rentenabzug. Der Arbeitgeber spart ebenfalls zu Lasten der Allgemeinheit Sozialabgaben und behält in der Regel diesen Vorteil für sich und gibt ihn nicht an die Arbeitnehmer weiter. ver.di geht allerdings davon aus, dass die Steuer- und Abgabenbefreiung für diese Formen der Entgeltumwandlung demnächst nicht mehr gilt.

  • Welche Einschnitte haben die Vorstände durch den TV?

    Bislang keine, da sie nicht unter den Tarifvertrag fallen. Die Vorstandvergütungen orientieren sich an den Empfehlungen der Sparkassenverbände, in denen ausschließlich die Arbeitgeber sitzen. Insoweit werden die Vorstände nicht zu kurz kommen! Mehr noch: Die meisten Verbände empfehlen den Vorständen, die Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst nachzuvollziehen. Dieses Vorgehen ist überhaupt nicht üblich im öffentlichen Dienst. Angesichts der von den Sparkassen reklamierten schwierigen Situation und den ohnehin jetzt schon üppigen Vorstandsvergütungen finden wir ein solches Vorgehen mindestens unglücklich und ein falsches Signal an die Beschäftigten, von denen man ein Sonderopfer erwartet. Getreu dem Motto Wasser predigen und Wein trinken sollte dieses Vorgehen auf jeder Personalversammlung angesprochen werden, damit die Vorstände den Unmut ihrer Beschäftigten unmittelbar spüren können!

 

 

Gespräch zum Tarifergebnis Sparkassen mit Frank Werneke und Christoph Schmitz