Tarif- und Besoldungsrunde öffentlicher Dienst Bund und Kommunen 2020

FAQs

Fragen und Antworten zur Tarifrunde ö. D.

  • Können wir überhaupt Forderungen aufstellen, obwohl es Kolleg*innen aus anderen Bereichen – zum Beispiel Karstadt und Kaufhof – so viel schlechter geht?

    Die wirtschaftliche Lage in vielen Branchen des Organisationsbereichs von ver.di, ob im Handel, im Luftverkehr oder im Tourismus ist dramatisch: Kolleg*innen bangen um ihre Arbeitsplätze und um ihre wirtschaftliche Existenz. Sie erwarten und erfahren die volle Solidarität von ver.di. Diese Solidarität drückt sich aber nicht durch Verzicht in anderen Bereichen aus, im Gegenteil: Keiner Kollegin, keinem Kollegen geht es besser, wenn der öffentliche Dienst als wichtiger Motor für die Binnenkonjunktur schwächelt. Die Kolleg*innen im öffentlichen Dienst werden gerade in der Krise dringender gebraucht als zuvor, in den Ämtern, in der Betreuung und Beratung, in der Gesundheitsvorsorge und Pflege, mit ihrer Arbeit können sie denen, die Hilfe brauchen, wirksam unter die Arme greifen.
    Auf sie ist Verlass!

  • Wie sieht die Situation der öffentlichen Haushalte aus?

    Wir haben uns als ver.di stark gemacht und unser ganzes politisches Gewicht in die Waagschale geworfen für einen kommunalen Rettungsschirm. Übrigens anders als die kommunalen Arbeitgeber. Dieser Rettungsschirm ist Teil des soeben vom Bundestag verabschiedeten Konjunkturpakets und gleicht die Corona-bedingten Gewerbesteuerausfälle aus. Nicht vergessen werden sollte bei der rein wirtschaftlichen Betrachtung auch, dass die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes einen wichtigen Faktor fürs Ankurbeln der Binnenkonjunktur darstellen, die derzeit ganz wichtig ist, um die Wirtschaft wieder ans Laufen zu bringen, solange der Export sich nicht erholt.

  • Sind Streiks auch unter Corona-Bedingungen möglich?

    Ja, auf jeden Fall: Es ist sicher davon auszugehen, dass wir in dieser Tarifauseinandersetzung streiken müssen, um unsere Forderungen durchzusetzen. Gesundheitsschutz hat dabei oberste Priorität. Wir werden aber in der Lage sein, ein starkes Signal an die Arbeitgeber zu senden, auch wenn wir einen Abstand von 1,50 m halten müssen.

  • Wie werden wir die Tarifrunde in der Öffentlichkeit begleiten?

    Die Kolleg*innen im öffentlichen Dienst halten mit ihrer Arbeit das ganze Land am Laufen. Egal ob mit ihrer Beteiligung und ihrem Einsatz in den Krisenstäben oder vor Ort an ihrem Arbeitsplatz. Sie haben in der Krise gezeigt, wie unverzichtbar die Arbeit in der Ver- und Entsorgung, in der Kinderbetreuung, in den JobCentern und den Sparkassen, in der Pflege und in den Gesundheitsämtern und an diversen anderen Schnittstellen zwischen Bürger*innen und Staat ist. Dafür wurde den rund 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen zurecht applaudiert.
    Wenn es jetzt aber darum geht, diesen Applaus in eine materielle Wertschätzung umzusetzen, herrscht Respektlosigkeit. Das ist empörend und deswegen sagen wir: „Jetzt seid Ihr dran!“ Das richtet sich als Aufforderung an die öffentlichen Arbeitgeber, ihrer Wertschätzung der Kolleg*innen nachhaltig und spürbar Ausdruck zu verleihen.
    Diese Tarifrunde wird eine emotionale, in der es ganz wesentlich um Gerechtigkeit, um Fairness und Solidarität, auch um die der Öffentlichkeit. Dafür werden Kolleg*innen auf unseren digitalen Kanälen, auf unser Kampagnenseite unverzichtbar.verdi.de, in den sozialen Medien und auf Telegram beschreiben, was ihre Arbeit ausmacht, warum ihre Arbeit systemrelevant ist und warum Applaus alleine nicht reicht. Wir stehen zusammen: jetzt seid Ihr dran!

  • Sind auch die Kitas von der Tarifauseinandersetzung betroffen?

    Ja, es geht auch um das Einkommen der Kita-Beschäftigten. Die Zeit des Shutdown hat gezeigt, dass ohne sie nichts mehr geht, wenn Eltern Arbeit und Familie miteinander vereinbaren wollen. Für diesen unverzichtbaren Einsatz für die Familien, für die Kinder, aber auch die Arbeitgeber insgesamt gilt umso mehr: Applaus allein reicht nicht. Jetzt seid Ihr dran!

  • Gibt es schon Forderungen?

    Nein. Wir beginnen am 6. Juli mit einer breiten und offen angelegten Diskussion unserer Forderungen, die dann am 25. August, nach bezirklichen und landesbezirklichen Bewertungen des Standes der Forderungsdiskussion vor Ort in den Betrieben, in die offizielle Beschlussfassung der Bundestarifkommission mündet: Jedes Mitglied – und nur ver.di-Mitglieder! – kann sich daran beteiligen, analog bei seinem Bezirk oder digital.

    Jetzt seid Ihr dran. Jede Stimme zählt!

  • Welchen Stellenwert hat das Thema Arbeitszeit-Angleichung Ost-West?

    Es ist schlicht nicht mehr vermittelbar, dass 30 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch  im kommunalen Bereich unterschiedliche Regelungen für Kolleg*innen in Ost und West gelten. Allerhöchste Zeit, diese alten Zöpfe abzuschneiden. Jetzt seid Ihr dran!

  • Wie geht es weiter mit den Regelungen zur Altersteilzeit?

    Die Altersteilzeitregelungen laufen im August 2020 aus und es ist von den Mitgliedern der Bundestarifkommission immer wieder betont worden, wie wichtig es ist, diese zu verlängern.

  • Was passiert mit der Arbeitszeit-Diskussion?

    Die letzten Monate waren stark geprägt von der Umfrage und den Interviews zur Arbeitszeit. Die Corona-Pandemie hat uns aber nicht die notwendige Zeit gelassen, die Diskussionen über die Folgerungen daraus zu führen. Die Bundestarifkommission hat aber bereits deutlich gemacht, dass die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie in das Thema Arbeitszeit einfließen müssen.

  • Wie steht es um die Forderung „Geld gegen Zeit“

    Es gibt in unserem Organisationsbereich, etwa bei der Post und dem NDR, oder auch bei der Bahn gute Beispielefür Regelung en zum Wahlmodell und wir sind offen in der Diskussion der Forderungen. Die Option Geld gegen Zeit zahlt sich allerdings erst bei einem guten materiellen Ergebnis aus, dafür lohnt es sich also in jedem Fall zu kämpfen. Jetzt seid Ihr dran!

  • Wie sieht es für die Übernahme der Azubis aus?

    Auch die Übernahmeregelung für den Nachwuchs, den wir im öffentlichen Dienst so dringend brauchen, läuft im Oktober 2020 aus und auch hier steht eine Verlängerung an!

  • Wie stehen wir zu Prämien?

    Prämien sind aktuell bis zu einem Betrag von 1500 Euro steuerfrei und daher durchaus attraktiv. Allerdings bedeutet so ein „Sahnehäubchen“ nicht, dass dauerhaft mehr Geld auf dem Konto ist und kann daher nur als solches dienen. Darunter sollte aber ein gehaltvolles dauerhaftes Einkommensplus liegen.

  • Fordern wir ein Recht auf Homeoffice?

    Das wird die Bundestarifkommission am 25. August entscheiden. Aber die Erfahrungen der letzten Monate haben gezeigt, dass wir das Thema Homeoffice  natürlich künftig angehen müssen Klar ist aber, dass es nicht nur um das Recht auf Homeoffice gehen kann, sondern die Ausstattung und die Bedingungen, unter denen Kolleg*innen im Homeoffice arbeiten. Homeoffice am Küchentisch kann nicht das sein, was wir wollen. Dieses Thema spielt zum Beispiel eine wichtige Rolle in den Verhandlungen mit dem Bund zu einem Digitalisierungstarifvertrag.

  • Wie stehen wir zu Mitgliedervorteilsregelungen?

    Es ist nachvollziehbar, dass viele Kolleg*innen einen tariflichen Bonus nur für ver.di-Mitglieder fordern-schließlich werden Tarifverträge von Gewerkschaften für ihre Mitglieder abgeschlossen und die sollen dann auch mehr davon haben als Nicht-Organisierte. Allerdings lehnen die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) und der Bund Mitgliedervorteilsregelungen („tarifvertragliche Differenzierungsklauseln“) entschieden ab.
    Solche Klauseln müssten daher letztlich mit Streiks durchgesetzt werden. Bliebe diese Frage als einzige strittige Frage in einer Tarifauseinandersetzung „übrig“, müsste der Streik nur um die Durchsetzung der Differenzierungsklausel geführt werden. Dafür wäre ein hoher Organisationsgrad von 80 oder 90 Prozent nötig, zumal es – anders als bei den übrigen Tarifforderungen – keine Unterstützung für diese Forderung durch Nichtmitglieder geben würde. Außerhalb von Notlagentarifverträgen sind Mitgliedervorteilsregelungen bisher nur in Betrieben mit extrem hohem Organisationsgrad durchgesetzt worden.

    Nicht der Organisationsgrad wird durch Mitgliedervorteilsregelungen erhöht, sondern Mitgliedervorteilsregelungen können nur bei einem hohen Organisationsgrad durchgesetzt werden. Forderungen nach Vereinbarung von Differenzierungsklauseln würden unsere Durchsetzungsfähigkeit in den Tarifrunden für den öffentlichen Dienst nicht verbessern, sondern deutlich erschweren. Unsere gemeinsame Aufgabe bleibt es daher weiterhin, die Nichtmitglieder inhaltlich von der Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation zu überzeugen.

  • Was kann ich zum Erfolg der Tarifrunde beitragen?

    In dieser Tarifauseinandersetzung kommt es wesentlich darauf an, dass sich alle beteiligen und in den Betrieben und Dienststellen sowie in der Öffentlichkeit deutlich machen, dass die Arbeit beim Bund und in den Kommunen unverzichtbar ist: In Gesprächen mit den Kolleg*innen, in der Mobilisierung zu Aktionen und Streiks. Es kommt auf alle an. Jetzt seid Ihr dran!


  • Was passiert mit den Antworten aus den Gesprächsbögen?

    Wir freuen uns auf eine breite Beteiligung und eine Forderung, die von vielen starken Schultern getragen wird. Alle Antworten sammeln wir zur Auswertung und Diskussion in den Bezirken, über deren Ergebnisse wird dann in den Landesbezirken beraten.

  • Wie sieht die Zeitschiene aus?

    Die Forderungsdiskussion läuft jetzt. Alle können sich über analoge Gesprächsbögen einbringen oder an der digitalen Umfrage teilnehmen. Über die Forderung entscheiden letztlich natürlich nur unsere Mitglieder, für die wir die Tarifverträge abschließen.
    Die Ergebnisse der Umfragen werden bis zum 17. August in den Bezirken gesammelt und dort gemeinsam bewertet. Diese Bewertungen werden dann in den Landesbezirken zusammengefasst und am 25. August in die Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst eingebracht. Dort wird dann die Entscheidung über die Forderung getroffen.

    Verhandlungsauftakt mit dem Bund und der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) ist am 1. September. Ab diesem Zeitpunkt sind dann auch erste Streiks zur Durchsetzung der ver.di-Forderungen möglich. Die zweite Verhandlungsrunde findet am 19./20. September statt. Eine dritte Verhandlungsrunde ist für den 22./23. Oktober geplant. Wenn es dann ein Verhandlungsergebnis geben sollte, wird darüber in einer Mitgliederbefragung entschieden. Wenn es bis dahin kein Ergebnis geben sollte, kann die Schlichtung eingeleitet oder in Urabstimmungen über unbefristete Streiks entschieden werden.

Du bist noch kein ver.di Mitglied, arbeitest im öffentlichen Dienst und möchtest in der anstehenden Tarifrunde gehört werden und dich einbringen? Dann hier entlang:


 Online-Umfrage für Nicht-Mitglieder

 

Hier kannst du als ver.di Mitglied und Beschäftigter im öffentlicher Dienst deine Forderungen an die Arbeitgeber adressieren. Mach mit, denn wir wollen es wissen!


 Online-Umfrage für ver.di Mitglieder

(Hinweis: Der Zugangschlüssel ist deine Mitgliedsnummer) 

Werde Tarifbotschafter*in

In dieser Tarifauseinandersetzung kommt es mehr denn je darauf an, dass sich alle beteiligen und in den Betrieben und Dienststellen sowie in der Öffentlichkeit deutlich machen, dass die Arbeit beim Bund und in den Kommunen unverzichtbar ist. Daher suchen wir für diese Tarifrunde erstmalig Tarifbotschafter*innen.