Tarif- und Besoldungsrunde öffentlicher Dienst Bund und Kommunen 2020

Marcel Jeromin, Ordnungsbehörde Kaiserslautern, Kommunaler Vollzugsdienst

Marcel Jeromin

In der Regel sind Ordnungsämter, Polizeiinspektionen, Rettungsdienste und Feuerwehren sehr eng miteinander verknüpft, um Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung abwehren zu können. In Zeiten von Corona wird dies besonders deutlich und zeigt wie extrem wichtig die Vollzugsbeamten der Ordnungsämter sind, denn unsere Aufgabe ist es, die Corona-Bekämpfungsverordnungen, die von der Politik angeordnet worden sind, durchzusetzen. Die Kontrollen finden durch uns statt, wie zum Beispiel die Einhaltung der Maskenpflicht und der Abstandsgebote. Unsere Arbeit macht uns nicht nur in der Pandemie unentbehrlich.

Ordnungswidrigkeiten, mit denen wir es zu tun haben, kommen nicht ins Rathaus spaziert, sie wollen und müssen durch uns gefunden werden. Jeder hat einen Anspruch darauf, dass wir uns zeigen und für Ordnung sorgen. Wir leisten präventive Arbeit. Als Vollzugsbeamte haben wir ein weit gefächertes Aufgabenspektrum, nicht nur die Kontrollen während der Corona Pandemie.

Zum Beispiel kümmern wir uns um psychisch Erkrankte, die ihre Krankheit nicht mehr selbst erkennen können und nicht in eine Therapie gehen. Wir schützen sie vor sich selbst und auch andere, damit sie die nicht gefährden. Besonders in der Weihnachtszeit haben wir viel damit zu tun, wenn die Menschen depressiv werden und suizidale Tendenzen aufzeigen. Die meisten Fälle kommen nicht von heute auf morgen, meist haben wir mit den Betroffenen schon vorher mehrfach zu tun. Beispielsweise hatten wir eine Frau, die im Haus gezündelt hat. Da mussten wir eingreifen. Oder wir greifen ein, wenn Jugendliche durch Drogen schwere Psychosen bekommen und nicht mehr wissen, was sie tun, und unkontrolliert auf die Straße laufen.

„Wenn die Bürgerinnen und Bürger von den Ordnungsämtern erwarten, dass sie rund um die Uhr für sie da sind, dann können wir auch eine entsprechende Anerkennung angesichts unserer momentanen Situation und der erschwerten Belastungen durch Corona erwarten.“

Marcel Jeromin

Wir kümmern uns auch um hilflose Menschen, zum Beispiel um Obdachlose, die sich eingenässt und eingekotet haben, die trockene Kleidung brauchen, medizinische Versorgung und Schutz vor dem Erfrieren. Menschen, die jahrelang auf der Straße leben, unterschätzen das Risiko zu erfrieren. Man kann sagen, dass wir eine der ersten Anlaufstellen für diese Menschen sind.

Wir helfen und unterstützen auch orientierungslose ältere Menschen, die dement sind und nicht mehr wissen, wo sie wohnen. Wir ermitteln dann den aktuellen Wohnort und bringen sie nach Hause oder ins Pflegeheim zurück.

Wenn wir durch die Fußgängerzone gehen, machen wir Gaststättenkontrollen und dabei auch Jugendschutzkontrollen, damit sich Jugendliche nicht an jugendgefährdenden Orten aufhalten, in Diskotheken oder Clubs, und damit sie nicht rauchen oder alkoholisiert sind.

Manchmal werden wir zur einer Notfalltüröffnung beordert und wir finden statt einer anfänglich hilflosen Person eine Leiche. Dann ziehen wir Ärzte hinzu, im schlimmsten Fall die Polizei, wenn es sich um ein Gewaltverbrechen handeln könnte. Wir müssen das Eigentum verstorbener Obdachloser sichern, oder auch das Eigentum in Wohnungen. Wenn keine Angehörigen oder Erben gefunden werden, müssen wir uns um die Nachlassverwaltung kümmern.
In sozialen Brennpunkten erleben wir viele traurige Geschichten. Doch jedes Menschenleben ist wertvoll, und deshalb geben wir immer unser Bestes.
Manchmal müssen wir nur dafür sorgen, dass ein Schulpflichtiger in die Schule geht. Ich sage es mal so, manche wollen geweckt werden.
Und wir machen Aufenthaltsermittlungen, wenn jemand gesucht wird, der sich nicht umgemeldet hat, der eine Rechnung nicht bezahlt hat, der verzogen ist, ohne eine Adresse zu hinterlassen, evtl. sogar ins Ausland.

Oder wir haben es mit einfachen Bürgersachen zu tun, zum Beispiel wenn jemand der Straßenreinigungspflicht nicht nachgekommen ist, wenn Sachen auf dem Bürgersteig herumliegen oder Schnee nicht geschoben wird.
Da die Gesundheitsämter am absoluten Limit arbeiten und völlig überlastet sind, die Ärzte dort nicht annähernd das verdienen wie ihre Kollegen in den Krankenhäusern, obwohl sie genauso studierte Mediziner sind, unterstützen wir sie und versuchen ihnen so viel Arbeit abzunehmen wie möglich, unter anderem auch in einem Corona Testzentrum.

Wir sind systemrelevant und werden immer gebraucht, doch in Zeiten von Corona ganz besonders. Bei unserer Arbeit müssen wir uns auch selbst schützen, wir tragen Masken, manchmal sogar Vollschutz. Die Pandemie hat uns viel abverlangt. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen hat sich ein Mitarbeiter von uns mit dem Virus infiziert und ist wenige Zeit später verstorben. Da sieht man erst, wie nah die Gefahr ist und uns umgibt. Wir wollen niemanden anstecken und auch selbst nicht krank werden. Wir haben ja auch Familien. Wir dürfen auch keine Pause machen. Das Virus macht keine Pause.

Für unseren Einsatz allgemein, und in Zeiten von Corona ganz besonders, müssen wir auch eine entsprechende Honorierung bekommen. Wenn die Bürgerinnen und Bürger von den Ordnungsämtern erwarten, dass sie rund um die Uhr für sie da sind, dann können wir auch eine entsprechende Anerkennung angesichts unserer momentanen Situation und der erschwerten Belastungen durch Corona erwarten.