Tarif- und Besoldungsrunde 2021 für die Beschäftigten der Länder

Wertschätzung durch mehr Gehalt

Wertschätzung durch mehr Gehalt

27.11.21 – Zehntausende Beschäftigte der Länder haben in den vergangenen Tagen auf den Marktplätzen und Straßen der Republik ihrem Unmut Luft gemacht. Zwei Verhandlungsrunden – aber noch haben die Arbeitgeber der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) kein Angebot vorgelegt.

Schlimmer noch: Der Verhandlungsführer der TdL, der niedersächsische Finanzminister Reinhold Hilbers, CDU, hat noch nicht einmal erkennen lassen, dass er bereit ist, über Einkommensverbesserungen zu reden. Vom Nachwuchsmangel will er im öffentlichen Dienst nichts wissen, hatte er noch nach der ersten Verhandlungsrunde im Oktober gesagt – und Corona sei nur eine vorübergehende Belastung gewesen, die aber in keinem Fall eine dauerhafte Entgeltsteigerung für Beschäftigte im Gesundheitswesen rechtfertige.

Eine Provokation, sagt Aleksey Gerrecht, der Anfang Oktober eine Ausbildung zum Pflegefachmann an der Medizinischen Hochschule Hannover begonnen hat. Er ist zum Auftakt der dritten Verhandlungsrunde nach Potsdam gekommen – wie viele andere ver.di Jugendliche aus diesem Bereich auch.

Sie machen mächtig Lärm vor dem Verhandlungshotel. „Alle im öffentlichen Dienst halten den Laden am Laufen“, sagt Björn, der in der Verwaltung der Uniklinik Essen arbeitet. „Aber die Leute flüchten, kaum einer will unseren Beruf noch machen.“ Mehr Geld ist daher auch eine der zentralen Forderungen von ver.di für die rund eine Million Tarifbeschäftigten der Länder, ein Plus von 5 Prozent, mindestens 150 Euro mehr, in der Pflege 300 Euro pro Monat, und 100 Euro mehr für Auszubildende plus ein kostenfreies Ticket für Öffentlichen Verkehrsmittel für sie.

Potsdam Kay Herschelmann Potsdam, 27.11.2021  – "Applaus reicht uns nicht!"

Angelica Dullinger ist an diesem Tag aus München in die brandenburgische Landeshauptstadt gekommen. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende der ver.di-Gruppe am Finanzamt München. Gemeinsam mit ihrem Kollegen will sie ein Zeichen setzen, dass sich auch die Beamt*innen in dieser Tarifrunde engagieren müssen. Streiken dürfen sie nicht, „aber in der Freizeit dürfen wir alles“. Das Ergebnis der Tarifrunde soll, so fordert ver.di, zeit- und inhaltsgleich auf Beamt*innen und Versorgungsempfänger*innen übertragen werden.

In der Finanzverwaltung kündigen mittlerweile auch Beamt*innen, erzählt Angelica Dullinger, der Job sei stressig und die Bezahlung reiche nicht für ein Leben in einem Ballungsraum wie München. „Aber wir brauchen Leute in der Steuerverwaltung, damit wir Corona bezahlen können“, sagt sie. Der Arbeit dort sei anspruchsvoll, psychisch belastend. Dass es kein Angebot gibt, ist für sie ein Zeichen von Null Wertschätzung. Beifall allein reiche nicht, Wertschätzung müsse sich auch in mehr Gehalt widerspiegeln.

Nadja Kuschel steht allein bei der Kundgebung, aber sie steht für viele: Für die 60 Restaurator*innen bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Die Textilrestauratorin sagte von sich und ihren Kolleg*innen, sie seien zwar nur eine kleine Gruppe, aber sie kämpfen auch dafür, dass die Eingruppierung ihrer Tätigkeit aktualisiert wird.

Direkt neben ihr stehen vier Kolleg*innen von der Feuerwehr aus Niedersachsen. „Wir stehen hier für unsere Interessen ein“, sagt Marc Albers, der mit seinem Kollegen aus Wilhelmshaven angereist ist. Man könne ja nicht erwarten, dass andere die Kohlen aus dem Feuer holen. Bessere Bezahlung, aber auch adäquate Arbeitsbedingungen – schließlich stehe ein Generationenwechsel an.

Generell sei es im öffentlichen Dienst schwierig, Nachwuchs zu finden – „und das ist auch eine Frage der Bezahlung“, sagt Heike Barchfeld, stellvertretende Vorsitzende des Gesamtpersonalrats der Stadt Hannover. Das gelte auch für die Beamt*innen.

Potsdam Kay Herschelmann "Ihr habt die Tarifrunde gerockt"  – Potsdam, 27.11.2021

Diese Gemeinsamkeit hebt auch der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke bei seinem Statement vor Verhandlungsbeginn hervor. Angestellte, Beamt*innen, Studierende, Azubis, sie ziehen an einem Strang. Sein besonderer Dank geht an die ver.di Jugend, „ihr habt die Tarifrunde gerockt“. Er erwartet von den Arbeitgebern endlich „ein Angebot, das auch die Chance auf einen Abschluss bietet“.

Die Wertschätzung für den öffentlichen Dienst, insbesondere für die Beschäftigten im Gesundheitswesen, werde von der Gesellschaft anerkannt – und dieses Engagement müsse auch gut bezahlt werden. „Es kann doch nicht sein, dass 30 Prozent der Intensivbetten nicht belegt werden können, weil die Pflegekräfte fehlen“, sagt ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. Bessere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, dafür kämpft ver.di.

Video-Clips: Auftakt 3. Runde

Statement Frank Werneke